Als sich so nach und nach meine sexuelle Lust begann zu entwickeln, lernte ich, dass sich das als „Thomas“ nicht gehört. Meine anfängliche Naivität, wie schön und unbegreiflich das doch war, wurde ringsum abgeblockt. Auch von den Kindern, die nun Teenies waren. Elke bekam Brüstchen. Das fand ich unglaublich spannend. Aber es war längst klar, dass ich zu diesen Spielzeugen keinen Zugang mehr erhielte. Andrea, die große und stets faire Schwester von Peter, hatte diese Entwicklung längst durchlaufen, damals interessierte mich jedoch nur Peters Spielzeug.
Eines schönen Tages war deren Cousine aus Kassel zu Besuch. Sie schlief in Andreas Zimmer. Und da geschah es zum ersten mal. Wir verliebten uns über beide Ohren. Sie wollte „was“ von mir sehen und zeigte mir ihre Knöpfe. Leider ging dieser Urlaub schneller vorbei, als man Urlaub aussprechen kann -und, so viel sei gesagt, wir uns nie wieder sahen. Aber es war für uns beide die Sensation.
Warum? Weil wir uns vertrauten. Dinge und relativ intime Gefühle austauschten. Wir waren wir, nicht Biene und „Thomas“, sondern Biene und ich.
Es war also doch möglich vertrauen zu können und nicht stumpf „Thomas“ sein zu müssen. Ach ja. Wir taten uns auch küssen. Und das alles schon 1-2 Jahre bevor ich überhaupt anfing zu ahnen, was Sex alles zu bieten hat.
Danach begann das Martyrium Schule immer mehr Fahrt aufzunehmen. Ich beobachtete viel. Sah ringsum keine Kinder mehr, nur noch coole, unantastbare „Peter“. Es war ein Graus. „Thomas“ stellte sich zu ihnen, so wie das alle anderen taten. Aber „Thomas“ fasste kein Vertrauen. „Thomas“ musste den „Peter“ geben, ach, was sag ich, den „Thomas“.
Wir ober-coolen Socken standen als „Raucher“ zusammen. Doch Zigaretten gingen, genauso wie ihr Qualm nicht im entferntesten an mich. Drum tat ich mich mit einer der Tabakspfeifen meines Vaters hervor, Jahre alten Tabak paffend (Igitt) und… hatte tatsächlich ein Alleinstellungs-Merkmal gefunden! Wow! Ich wurde irgendwie anerkannt. Gehörte -zumindest während der großen Pausen- „dazu“. Dabei lernte ich dann auch den einen oder anderen Freund kennen. Freunde, also plural, war mir zu der Zeit unmöglich. Zu einem einzigen, der den Mut hatte nicht nur den coolen Max zu spielen Vertrauen aufbauen zu können empfand ich als mehr als ausreichend.
Später, Sex war bereits ein guter Bekannter, da wurden dann aus einem auch mal zwei Freunde. Aber echtes Vertrauen, das universell belastbar war, das stellte sich nicht ein.
Dann eines Tages schneite Sabine herein. Marc, ein echt cooler und auch viel Vertrauen spendender Freund, hatte gerade Insterburg&Co auf dem Plattenteller. Wie auch immer. Sabine war ein taffes, verletztes, und zugängliches Mädchen. Und wie der Zufall es will, unsere Omis wohnten im gleichen Ort. Ich nahm sie schon am nächsten Tag -im November- auf dem Moped gute 40 Km bis dahin mit..
Meine erste Liebesbeziehung. Naja. Fast. Es dauerte eine Weile, um auf sie einzugehen. Und umgekehrt. Sex war unsere magische Anziehungskraft. Wobei ich ja noch nicht die geringste Erfahrung damit hatte -doch anfangs so tat als ob… Daran wäre es auf den ersten Metern schon fast gescheitert.
Aber keine Sorge. Unser Scheitern kam noch. Zweimal. Grandios. Immerhin, bis dahin, war ich einer der Ersten, die mit 18 zuhause auszogen, um mit Freundin und gutem Freund eine WG zu gründen.
Vertrauen wirklich zu erfahren und zu leben, war mir extrem wichtig. Wie sich eins ums andere mal herausstellte, ein recht müßiges Frust behangenes Unterfangen. Jetzt kamen zu dem, was „Thomas“ zu sein hatte: Gründe für Eifersüchteleien zu minimieren, was aufgrund vielerlei Gestörtheiten nicht funktionierte.

