reicht es endlich?

ich war begeistert!

In frühester Kindheit schon war ich begeistert. Von dem, das in mir steckte, von dem was herauskam, von unerwarteten Fähigkeiten, ich wollte mich entdecken!

der Song ist auf Seite 4

Sie nannten mich „Thomas“. Aber wer war das? So begann ich mich schließlich auch als „der Thomas“ zu bezeichnen. Aber recht Geheuer war mir das nie. Denn „der Thomas“ war ein anderer als ich. Er machte Dinge, die man als „Thomas“ nicht zu machen hatte. Es hieß lass das, lass dies! Und wenn es nicht reichte, den „Thomas“ zu formen, dann gab’s auch mal was Hinten drauf.

„Der Thomas“, ja wer war das? Ich kannte ihn nicht. Ich war ich. Und das änderte sich auch nicht als ich nicht „richtig“ dies und das lernte, um später ein erfolgreicher „Thomas“ zu werden. Ok, es gab eine Omi und auch eine Tanti, die konnten tiefer in mich hinein schauen. Sie ließen mich kreative Sachen machen. Ich dürfte als kleiner Zimmermann ein Häuschen bauen und mir selbst beim  malen bunter Bilder zu schauen. Ich konnte das!
Dann kam oft von all denen, denen ich, zumindest gefühlt, meist nicht gerecht wurde, ein bewunderndes „Oh! Der kleine ist ja talentiert“. Doch die Anerkennung fand schnell Grenzen, wenn ich tat den „Thomas“ schwänzen.

Und sehr leider muss ich sagen, das tat ich seit den Kindertagen. Wenn all die ganzen Nachbars-Kinder auf der Straße spielten und plötzlich  meine erste Freundin, die Elke, klingelte und fragte, ob „der Thomas“ zum Spielen raus darf…

Ich daraufhin meine „Thomas-Lernerei“ schnell in die Ecke warf, weil ich als „ich“ gefragt war. Wir spielten unbefangen und versonnen, ohne irgendwer sein zu müssen. Da war mein „Thomas“ er selbst, der Name nicht mehr als eine Hausnummer, unter der ich angesprochen wurde.

Wir Kinder wurden langsam größer. Und der „Peter“ begann als einer der ersten ein Image aufzubauen. Er bekam nämlich Sachen, um die wir Kinder ihn beneideten. Mit denen wir manchmal für kurze Zeit spielen dürften. Aber wehe, wir spielten damit nicht wie „Peter“ es vorgesehen hatte. Oh je! Dann gab’s Gezeter. Und wenn wir dann in Streit gerieten, rief Peter „ich zeig die Polizei an!“ Auch wenn mir der Satz als solcher nicht wirklich einleuchtete, beim Stichwort Polizei, da zuckten alle zusammen. Und Peter bekam seinen Willen.

Das war der Beginn, als ich lernte, dass „der Thomas“ sich „verstellen“ musste, um wenigstens gelegentlichen Zugang zu Peters Spielzeugen zu bekommen. Natürlich war mir das nicht fremd. Ich hatte bei meinen Eltern und Lehrern längst gelernt, dass ich den „Thomas“ spielen muss, um zu minimiern mein Frust. Neu war nur, dass das Vertrauen in die anderen Kinder zusehends schwand. Zum Glück gab es noch sehr lange Zeit die Omi und manches mal auch die Tanti. Da musste ich nicht „Thomas“ sein. Das war ein großes Geschenk. Heute weiß ich, wie wertvoll und wie selten so etwas ist.

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